Franziska Lankes
Fragen der Gäste - Antworten von Franziska Lankes bei der Galerie- und Ausstellungseröffnung am 21. Okt. 2010
Sind die Bilder käuflich? --- Ja, eines kostet 300,-. Alles was ich mache ist käuflich, ich lebe davon.
Warum sind die Bilder so dunkel, ernst, finster? --- Die Bilder sind nachts im dunklen Fenster entstanden, das heißt ein bisschen habe ich die Nacht draußen mitgezeichnet. Ich glaube jeder ist alleine eher ernst. Und beim sich Fixieren im Spiegelbild ist der Blick meistens kritisch.
Warum hast du dich gar so grauslich gemalt? Warum lachst du auf keinem Bild. --- Siehe oben und während einer ganze Zeichnung lachend dreinzuschauen verkrampft sicher schnell.
Vom Foto oder Natur gemalt? --- Siehe oben. Außerdem male ich so gut wie nie vom Foto, erstens ist es schon zweidimensional, es klaut mir also das Umsetzen vom Dreidimensionalen ins Zweidimensionale dann sind im Foto nicht so viele Farbnuancen zu finden wie in der Natur, außerdem zeigt ein Foto Vergangenheit. Sicher gibt es noch viel mehr Gründe.
Womit hast du beim Malen eines Porträts angefangen. --- Zunächst betrachte ich mich lang, dann wähle ich 4,5,6 Ölpastellkreiden, oft stark abhängig von der Kleidung und beginne dann meistens mit einem sehr weichen Bleistift (7- 9B) zu zeichnen. Bleistift auf Ölpastell flutscht satt, fett und schwarz übers Papier; Ölpastell über Bleistift verwischt den und macht schmuddelig und düster.
Gibt es die Klamotten wirklich? --- Ja, alle, manchmal waren sie mir ein größeres Vergnügen beim Zeichnen als mein Gesicht.
In welchem Zeitraum entstanden die Bilder? --- In zwei Jahren, begonnen habe damit ich im Herbst 2008.
Wie lange hast du nicht gemalt? --- Seit ich das Atelier in Zulehen habe, male ich kaum noch, das heißt ich mache beinahe ausschließlich Plastiken. Zum einen weil ich viel Platz habe und bis in die Puppen Krach machen kann; zum anderen ist das Arbeiten in unserer Hofgemeinschaft abgelenkter als beim alleine Leben. Und eine Plastik mit ihrem konkreten Material und ihrer sichtbaren und greifbaren Form zieht mich leichter und schneller wieder in eine unabgelenkte Konzentration. Auf der Bild - Fläche ist alles möglich, deshalb kann es bei mir leicht gekünstelt oder beliebig werden, nach jeder Störung, vor allem am Anfang, war immer alles sehr schwierig. Ich habe ja auch nach dem einen Monat Berlin und 15 Selbstporträts mit Ölfarben das Malen wieder aufgehört. Die Bilder hier würde ich eher Zeichnungen nennen, mit Stiften gemacht. Zeichnen tu ich schon immer, na ja „immer“ , eben stetig.
Plastik als Selbstporträt? --- Vor 40 Jahren hab ich einmal eins aus Ton gemacht (das gibt es noch), seitdem bin ich nicht mehr darauf gekommen. Meine Plastiken sind allgemeiner und ich wünsche sie mir extremst reduziert, da kann ich mir ein Selbstporträt nicht so gut vorstellen. Zu individualistisch, zu kleinteilig, aber ich könnte es einmal versuchen.
Sind die Bilder eine Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation? --- Ja sicher. Begonnen habe ich damit vielleicht mit dem Tod meiner Mutter; ich wollte wegen dem Bedürfnis Wichtigkeiten von Unwichtigkeiten unterscheiden zu können alles neu ordnen und hab mir vorgestellt Malen hilft mir dabei. Ich konnte in Berlin einen Monat alleine ein Atelier benützen und wollte Passanten malen: Die Vielfalt und das Absonderliche der vielen fremden Menschen und was sie dann vielleicht doch gemeinsam haben. Es ist mir nicht gelungen. Es wurden eher Karikaturen und Bilderbuchmalereien. Ich habe sie mit mir selbst übermalt und fand plötzlich alles viel stimmiger. So sind die ersten Selbstporträts in Öl entstanden (die sind hier nicht ausgestellt).
Selbstporträts sind sehr persönlich, was macht das mit dem Maler, wenn er Stimmungen preisgibt?, Wie gehts dir mit 50 Selbstporträts, was macht das mit dir? --- Ich wunder mich schon, dass ich mich in beinahe allen wiederfinde, obwohl so viele verschiedene Typen herausgekommen sind. Ein klein wenig ist es mir vielleicht auch fast peinlich, ein bisschen Nabelschau, dass ich mich hier im Schaufenster so ausstelle; aber weil es so viele sind, ist es doch wieder allgemein und im Endeffekt verrät es dann doch nichts über mich.
Will ich dem Wesen näher kommen? --- An sich schon, ich weiß nicht ob es mir gelungen ist, vielleicht ein ganz wenig?
Welcher Anspruch muss da erfüllt werden? --- Zuerst waren es ja natürlich nur ein paar, entstanden so zwischendurch als kleine Übung ; dann habe ich mich über die Verschiedenheit zu wundern begonnen und wollte ganz viele machen und sehen ob ich mich erschöpfe. Für eine Ausstellung in der Annakapelle (Passau) musste ich schnell noch ein paar machen um einen 5x5 Bilder- Block zu vervollständigen, das war der blödeste Grund, aber auch ein Grund. Später wollte ich so viele haben, dass sie nicht mit einem Blick zu betrachten sind. Weil Vergleichen durch Erinnern ja wieder anders funktioniert als beim Alles Überschauen Können.
Hast du dich beim Malen wie du jetzt bist dargestellt? --- Schwer zu sagen, aber ich glaube die Stimmung findet sich schon in Gesichtsausdruck und Farbigkeit
Wenn du ins Fenster geguckt hast, wie hast du die Farben gesehen? --- Manchmal habe ich sehr lange schauen müssen, um die Farben zu erkennen. Manchmal wusste ich nicht ob ein Schatten zum Beispiel grün oder lila ist, dann musste ich das entscheiden
Warum Selbstporträts? --- Ein Modell das immer da ist und außerdem ein Mensch.
Gibt es Selbstporträts mit geschlossenen Augen? --- Ich glaub schon. Ein Selbstporträt kann ja auch aus dem Kopf gemalt sein.
Was hast du in Zukunft vor zu malen, Hand, Fuß, usw.? --- Ich werde wieder Plastiken machen.
Ist die Konfrontation mit der Scheibe anders als mit Spiegel? --- Ja ganz anders, ich sehe mich nicht so genau und klar, muss mich also viel mehr empfinden. Außerdem kann ich im Spiegel leichter eine Rolle Spielen.
Spielt die Umgebung, der Hintergrund keine Rolle? --- Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen den Hintergrund mitzuzeichnen. Es ging mir ausschließlich um das Porträt. Ich glaube, eine dunkle Umgebung würde die Bilder einander ähnlicher machen, ich werde es ausprobieren.
Selbstporträts als Selbstforschung, Selbsterfahrung? --- Wahrscheinlich findet das automatisch statt.
Wolltest du bestimmte Stimmungen festhalten? --- Manchmal; zum Beispiel, einmal hat es mich recht angeödet: „wieder ein Selbstporträt“ es ist auch recht dünn geworden. Zwei habe ich morgens gezeichnet, gleich nach dem Aufstehen, bevor es hell wurde, da wollte ich sehen, wie noch müde aussieht.
Warum ist der Strich immer so kräftig? --- Ich arbeite allgemein gerne mit Körpereinsatz; und das Spiegelbild im dunklen Fenster muss ja auch dunkel sein
Man könnte sich die Porträts zögerlicher vorstellen? --- Vielleicht, aber vielleicht nicht von mir.
In welcher Verfassung war die Künstlerin? --- Das ist schwierig zu beantworten bei so vielen verschiedenen Bildern. Wenn ich mich recht erinnere, war ich tatsächlich oft nicht aller bester Laune; Zeichnen ist für mich schon manchmal Dampf ablassen.
Welche Stimmung will man preisgeben? --- Während dem Machen denke ich nicht an Leute, die die Arbeiten anschauen, also kann ich auch nicht von „preisgeben wollen“ sprechen. Beim Ausstellen sind die Stimmungen ja nicht mehr wirklich präsent. Ein einzelnes Selbstporträt würde ich wahrscheinlich nicht ausstellen, weil das schon behaupten würde: so bin ich.
Warum wolltest du das Bild, das allen gefällt rausschmeißen? --- Ich wünschte mir, dass sich jede/r ein bisschen selbst in einzelnen der Bilder sieht, Ähnlichkeiten sucht, findet, verwirft und sich fragt warum. Deshalb sollten es auch sehr verschiedene Porträts sein, die mir als mir am ähnlichsten zugeordnet werden. Wenn es ein einziges Bild ist, das von so vielen favorisiert wird, muss es etwas haben, was die anderen nicht haben (es stimmt ja auch in diesem Fall) und ich finde es zerstört die Serie. Aber natürlich bleibt es drinnen, es ist ja auch eine Frage, warum es so gemocht wird.
Darf man sich kein Lieblingsbild aussuchen? --- Doch natürlich. Das sagt ja auch was über die Aussuchenden aus.
Schaufenstergalerie, Bushaltestellengalerie? --- Ja, wer ein bisschen Zeit hat kann sich ohne Gruß und Bitten etwas anschauen und freuen, wundern, ärgern oder sonst wie anteilnehmen. Und über Öffentliches ist es ja auch viel leichter zu reden.
Vergleich mit Schiele. --- Ich mag ihn nicht so besonders, ich finde ihn sehr manieriert, aber das ist vielleicht eine Frage seines Alters, er ist ja sehr jung gestorben. Schade.
Wie viel Blätter hast du aussortiert? --- Keines. Es ging mir nicht um gelungen, misslungen, schön... Meistens habe ich die Bilder nach dem Machen gleich in den Rahmen getan und im Schlafzimmer aufgehängt. Erst am nächsten Tag hab ich´s genauer betrachtet, mit den anderen verglichen, dran rumgedeutet und mich gewundert, auch wenn ich darauf dümmlich ausgesehen habe.

Franziska Lankes und André Hasberg bedanken sich bei allen Gästen der Galerieeröffnung ganz herzlich für das große Interesse und die vielen Fragen.

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